Über
BigDaddy wurde ja in den letzten Wochen sehr viel gerätselt und allerlei Märchen erzählt. Ich versuche mal BigDaddy nach meiner Auffassung zu erklären. Wie es dazu kam, was die Auswirkungen sein werden und wieso Google sich so darüber freut.
BigDaddy ist laut Matt Cutts ein neues Test-Datacenter, das auf einer neuen Technologie aufbaut. Wenn man in den letzten Tagen die Newsticker verfolgt hat, konnte man lesen, dass
Google zu AMD wechselt. Ein solcher Schritt erfordert natürlich einiges an Tests, evt sogar ein Test-Datacenter - BigDaddy.
Doch wieso wäre eine Umstellung von Intel zu AMD so kompliziert? AMDs Opterons bieten die Möglichkeit auf 64 bit zu laufen und haben einige Kommandos, die Intel-Prozessoren nicht haben. Im Alltag eines Heimanwenders oder selbst der meisten Power-User macht dies nichts aus, da sie mit einem vorkonfigurierten Betriebssystem wie Windows arbeiten oder sich ihr Betriebssystem nicht selbst geschrieben haben. Da Google aber wohl, was nie öffentlich bestätigt wurde, eine eigene Linux-Abwandlung einsetzt für deren Server, ist eine Umstellung wohl doch sehr aufwending. Alleine die Umstellung des GFS (Google File Systems) ist wohl sehr komplex, da sie das Zusammenspiel zwischen mehreren Plattformen überstehen muss. Sonstige Besonderheiten, die das Google-Netzwerk so performant machen und nicht bekannt sind, werden wohl nicht einfacher zu portieren sein, zumal dies wohl beim ursprünglichen Design nicht vorgesehen war.
Was spricht aber überhaupt für die Umstellung auf AMDs Opterons? Dafür gibt es ganz klar mehrere Faktoren. Zum einen ist AMD seit Jahren auf dem 2. Platz hinter Intel und würde wohl nichts lieber sehen wenn sie Intel überholen könnten. Eine Absatzsteigerung von 100.000 Prozessoren pro Jahr (200.000 Server momentan, die wohl alle 3 Jahre getauscht werden zzgl. Zukauf neuer Server) würde AMD dabei einen sehr großen Schritt weiterbringen. Ebenso wäre es gute PR für AMD und sie würden die Prozessoren Google daher auch zum Selbstkostenpreis oder knapp darüber verkaufen.
Google hatte in den letzten Monaten und Jahren auch immer mehr mit steigenden Kosten für Strom zu kämpfen. Dies ist nicht nur auf die
Stromhungrigkeit der neuen Intel-Prozessoren sondern auch auf die Wärmeentwicklung und die dadurch benötigte Kühlleistung zurück zu führen. Wie jedes Unternehmen versucht auch Google die Fixkosten zu kürzen und dafür ist dies wohl ein guter Weg.
Nun kommt aber der wohl entscheidende Vorteil - Performance. Die Opteron-Prozessoren sind im Vergleich zu den XEONs
performanter was auch die Freude einzelner Google Engineers über die neue Architektur erklären dürfte. Die 64bit Archtitektur zusammen mit den Dual-Core Prozessoren sollten bei einem dafür optimierten Betriebssystem mit optimierten Programmen wohl einen Performance-Boost von 30-50% bei gleicher Anzahl an Hardware-Komponenten erlauben. Damit kann Google deutlich komplexere Aufgaben in kürzerer Zeit lösen, bessere SPAM-Filter integrieren und relevantere Ergebnisse liefern
Ich denke, dass Google mit diesem Schritt in die richtige Richtung geht und in den nächsten Jahren eine sehr skalierbare Architektur haben wird, die kostengünstig zu betreiben ist und auch von der Performance Reserven bietet.